HR 2020: Rückdelegation - Monkey Business

HR 2020: Rückdelegation – Monkey Business

Wenn Sie eine Aufgabe bearbeiten, die Sie eigentlich vorher an einen Ihrer Mitarbeiter gegeben haben, dann sind Sie in die Rückdelegations-Falle getappt.015a_Karin_Beck-Sprotte

Die zu delegierende Aufgabe kann man mit einem Affen vergleichen. Wer gerade an der Aufgabe arbeitet, der trägt den Affen auf seiner Schulter. Solange er den Affen hat muss er ihn pflegen und füttern. Das ist aufwendig und kostet Zeit. Wem es zu viel wird, der versucht den Affen loszuwerden – und da kommt dann der Chef ins Spiel.

Der Affe springt über

Wenn Sie mit vier oder fünf Mitarbeitern zusammen arbeiten und jeder einzelne am Tag ein kleines Äffchen bei Ihnen ablädt, dann haben sich am Ende der Woche auf ihren Schultern mehr als 30 Affen getummelt oder tummeln sich noch. Ihnen geht die Zeit aus, Ihren Mitarbeitern gehen langsam die Probleme aus. Dafür haben Sie ab sofort genug Probleme, und Ihre Mitarbeiter genügend Zeit.

Ich bin wichtig

Wer noch 148.000 Mails checken muss, der muss wichtig sein. Wollen Sie wichtig sein? Also ich möchte wichtig sein. Und ich bin wichtig! Ich bin das Wichtigste in meinem Leben! Aber ich bin auch im Leben meiner Familie wichtig. Ohne 148.000 Mails. Einfach so. Nur bin ich nie da, weil ich ja die 148.000 Mails checken muss.

Irgendwann werden sie sich das abgewöhnt haben, da bin ich dann nicht mehr wichtig. Das fühlt sich jetzt aber irgendwie auch nicht gut an. Geht es Ihnen auch so? Egal ob es die Kinder, der Sport, die Freunde sind.

Rückdelegation stoppen

Als erstes hören wir auf, Themen an uns zurück geben zu lassen. Wenn Sie Dinge an jemanden übergeben, dann kommt es vor, dass es zu Ihnen zurück kommt, weil es zu kompliziert sei. Manchmal kommen die Mitarbeiter auch nur so, wegen irgendwelcher Fragen zu Ihnen und Sie haben den Affen übernommen der dann Ihre Zeit frisst.

Der Affe ist die Herausforderung, die jemand loswerden wollte. Deswegen kam er zu Ihnen. Mit seinem Affen auf der Schulter – und er ist dann auch wieder gegangen. Ohne seinen Affen, der sitzt jetzt auf Ihrer Schulter. Dort hat er sich zu all den anderen Affen gesellt, die Ihnen schon von anderen übergeben wurden. Und dann können Sie sich 70 Stunden die Woche um Ihren Zoo kümmern.

Oft nehmen wir den Affen auch gerne an. Weil wir damit das Gefühl bekommen, wichtig zu sein, Einfluss zu haben, mitreden zu können. Tatsächlich aber mühen wir uns ab, während die anderen – befreit von allen Affen den Feierabend genießen.

Entwicklung der Mitarbeiter

Abgesehen von den vielen Affen auf Ihrer Schulter gibt es noch ein weiteres Thema. Ihre Mitarbeiter trainieren sich an, sämtliche Probleme, die etwas anstrengender sein könnten, an Sie zu übergeben. Damit entsteht ein Klima der Verantwortungslosigkeit. Was zur Folge hat, dass Ihre Mitarbeiter sich nicht weiter entwickeln können. Ihre Mitarbeiter können an den täglichen Herausforderungen nicht wachsen.

Lösungsmöglichkeiten

Daher ist der erste Schritt, die Übergabe des „Affens“ zu stoppen. Der zweite ist statt seinen Zoo zu kompletieren, den anderen zu coachen, seine „Affen“ selbst zu versorgen. Aber wie geht das? Tatsächlich ganz einfach.

Mitarbeitern Fragen stellen

1. Wo stehen sie aktuell?
2. Was ist das nächste Ziel? Und das nächste?
3. Was wäre ein sinnvoller nächster Schritt?
4. Wie können sie diesen Schritt erledigen?

Genau das ist das Ziel: neue Mitarbeiter werden mit vielen Themen kommen. Je erfahrener die Mitarbeiter aber auch die Kollegen, Freunde und auch Kinder werden, desto natürlicher werden sie selbst diese 4-Schritt-Strategie anwenden. Und damit sinkt die Zahl der Unterbrechungen und der versuchten Rückdelegationen, die an Sie herangetragen werden. Die anderen wachsen an den Herausforderungen statt den einfachen Weg zu Ihnen zu gehen. Und viel früher als Sie es erwarten, werden Ihre Mitarbeiter selbständiger sein. Denn tatsächlich sind Menschen unglaublich lernfähig. Man muss sie nur lassen.

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Über Karin Beck-Sprotte

Karin Beck-Sprotte
Karin Beck-Sprotte berät mit ihrem Unternehmen„beck2you“ seit 2004 als Management Coach HR-Professionals. Mehr als 20 Jahre Erfahrung im HR-Business sind ihre Basis. Ihre Ausbildung als Management Coach hat sie an der Intercoaching AG mit einem Diplom absolviert. Ihre Kenntnisse frischt sie regelmäßig durch zahlreiche Fortbildungen auf.


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